Akut-Orthopädie Wirbelsäule

Rückenschmerzen sind eine Volkskrankheit. 70 bis 85 Prozent aller Menschen haben einmal im Leben Rückenschmerzepisoden und bei immerhin 85 Prozent treten die Rückenschmerzen wiederholt auf. Nicht immer lassen sich die geklagten Schmerzen und Beschwerden krankhaft veränderten Strukturen an der Wirbelsäule zuordnen. Akut aufgetretene Schmerzen ohne Warnhinweise auf ernsthafte Erkrankungen bilden sich unter symptomatischer Therapie mit guter Prognose in 70 bis 80 Prozent der Fälle wieder zurück.

Bei ca. 15-45 Prozent der Rückenschmerzpatienten finden sich organische Ursachen, die auch nicht immer Beschwerden verursachen müssen. Es gibt genügend Menschen mit Bandscheibenvorfällen und Verschleiß an der Wirbelsäule, die keine Beschwerden haben.

Der genauen Befragung und exakten klinischen Untersuchung kommt eine besondere Bedeutung zu, da Bilder allein die Ursache von Rückenschmerzen nur unzureichend erklären. Dennoch scheint es bei der hohen Anzahl an Wirbelsäulenerkrankungen und -verletzungen zunächst verständlich und nachvollziehbar, dass seit Jahren die Operationszahlen an der Wirbelsäule steigen in dem Bemühen, gestörte und verschlissene Strukturen an der Wirbelsäule zu reparieren. Versteifungsoperationen haben in 5 Jahren von 2004 bis 2009 um 220 Prozent zugenommen, Bandscheibenoperationen im gleichen Zeitraum um 43 Prozent.

Eine Operation ist immer dann angezeigt, wenn ein medizinischer Notfall vorliegt, bei dem Gewebe auf Nervenstrukturen drückt und dies mit der Gefahr eines unwiederbringlichen Ausfalls von Körperfunktionen, wie einer Blasen- oder Mastdarmstörung, sowie dauerhaften Lähmungen verbunden ist.

Bei allen anderen Beschwerden und Schmerzen, die auf krankhafte Veränderungen an der Wirbelsäule wie Bandscheibenvorfälle, Verschleiß der Bandscheiben und der Zwischenwirbelgelenke oder auf eine Verengung des Wirbelkanals zurückzuführen sind, kann man operieren, muss man aber nicht. Zahlreiche nicht operative Verfahren stehen in der Behandlung von Rückenschmerzen zur Verfügung.

Die Operation kann bei richtiger Indikation einen ansonsten langwierigen, schmerzhaften Verlauf unter Umständen abkürzen. Dem stehen aber Operations- und Narkoserisiken gegenüber. Operationen bleiben in der Regel den Fällen vorbehalten, in denen eine konservative Behandlung erfolglos blieb oder Beschwerden zunehmen.

Vor der Durchführung eines operativen Eingriffs wird man immer anstreben, eine intensive konservative, nicht operative Behandlung durchzuführen. Es bestehen gute Chancen die Beschwerden damit in den Griff zu bekommen, Schmerzen zu reduzieren und Lebensqualität zu verbessern.

Die nicht operative Behandlung besteht aus einer medikamentösen Schmerztherapie. Die Medikamente können je nach Intensität der Beschwerden auch über eine Vene verabreicht werden. Injektionen an den Ort der Schmerzentstehung im Bereich der Wirbelsäule mit örtlichen Betäubungsmitteln stellen eine weitere gute Möglichkeit zur Schmerzbefreiung dar.

Die ärztliche Behandlung wird mit physiotherapeutischen Maßnahmen ergänzt, die zunächst auch zur Schmerzlinderung eingesetzt werden und bei einem Rückgang der Schmerzen zunehmend der Aktivierung des Patienten dienen. Gering ausgeprägte Beschwerdebilder lassen sich gut ambulant behandeln, für schwere Schmerzen und erhebliche Funktions- und Aktivitätseinschränkungen stehen stationäre Behandlungsangebote zur Verfügung.

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